Sprache

Die Schule

Das Königliche Pädagogium hat im Archiv der Franckeschen Stiftungen viel Papier hinterlassen. In diesen Texten wird die Schulrealität des 18. Jahrhunderts sichtbar. Zu sehen ist eine später eingebundene Werbeschrift, mit der Eltern über die Schule informiert wurden. In einem Traktat hat August Hermann Francke Grundsätze für den Unterricht aufgestellt. Und ein Hausbuch diente als eine Art Schultagebuch, um die alltäglichen Vorkommnisse festzuhalten.

Plan oder Grundriss aller in den Anstalten befindlichen Gebäuden, 1742

Das Bild zeigt einen Lageplan der Franckeschen Stiftungen von 1742

AFSt/A 01/01/02

Der Plan stammt aus der Mitte des 18. Jahrhunderts vom damaligen Baumeister und Bauverwalter der Glauchaschen Anstalten. Johann Gottlob Angermann fertigte zu seinen Lebzeiten etliche weitere Planzeichnungen an. Im Osten der auf dem Plan abgebildeten Gesamtanlage der Franckeschen Stiftungen befinden sich die Gebäude des Königlichen Pädagogiums am linken Bildrand. Ein längliches Mittelgebäude ist links und rechts von zwei kurzen Querbauten umschlossen. Dieser H-förmige Komplex ist auf der Südseite, oben, durch eine Mauer zu einem Weg hin abgegrenzt. Auf der Nordseite, unten, befinden sich die Versorgungsgebäude, also die Toiletten, die Holzställe und das Brauhaus. Umgeben ist das Pädagogium ferner durch zwei Gärten, den Kräutergarten sowie den Garten des Pädagogiums, der gleichfalls von einer Mauer umfasst wird.

Gesamtansicht Franckesche Stiftungen von Süden mit Beschriftung der einzelnen Gebäude, Plätze, Gärten (nach 1740)

Der Kupferstich zeigt eine Gesamtansicht der Franckeschen Stiftugnen von Süden aus dem Jahr 1749

AFSt/B Sb 0010

Der Kupferstich zeigt Ihnen eine Gesamtansicht der Franckeschen Stiftungen aus südlicher Perspektive. Das H-förmige Gebäude des Königlichen Pädagogiums ist am rechten Bildrand gut zu erkennen. Das Vordergebäude liegt quer zu den links davon angrenzenden Häusern. Vor der Fassade sind Bäume eingezeichnet. Die Fassade des Mittelgebäudes ist fast vollständig abgebildet. Es ist charakterisiert durch den Aufbau auf dem Dach, den sogenannten Altan. Auf ihm ist ein Teleskop platziert.

Der Kupferstich liefert eine gute räumliche Vorstellung des Geländes der Franckeschen Stiftungen und des Königlichen Pädagogiums.

1.1 August Hermann Francke: Kurtzer Entwurff der Einrichtung des PAEDAGOGII REGII zu Glaucha an Halle

Das Bild zeigt den kurzen Entwurf der Einrichtung des Pädagogiums aus dem Jahr 1705

BFSt: 74 G 20 (8)

Alles Wissenswerte auf einem Blick: das leistet der Einblattdruck, mit dem das königliche Pädagogium hier vorgestellt wird. Es ist eine Art Werbeplakat mit nützlichen Informationen. Das Plakat richtete sich an vermögende Eltern, insbesondere auch an Adelsfamilien, deren Kinder man an die Schule locken wollte.

Heutzutage können Eltern und SchülerInnen sich durch Besuche an Tagen der offenen Tür oder über offizielle Websites Informationen zu ihren gewünschten Schulen einholen und sich so einen Einblick in den Schulalltag verschaffen. Das Plakat gibt einen Eindruck, wie Schulinformationen zu Beginn des 18. Jahrhunderts vermittelt wurden. Dem Leser werden praktische Dinge wie die Kosten der Schulbildung, Unterbringung und Verpflegung ebenso vermittelt wie die Lehrinhalte des Unterrichts. In den theoretischen Stunden, damals Lectiones genannt, sollten sich die Schüler elementare Fähigkeiten aneignen. Dazu zählten laut Francke Schreiben, Rechnen, die klassischen antiken Sprachen Latein und Griechisch, sowie Unterrichtsstunden zu Geografie und Geschichte. Die praktischen Stunden, damals Recreationes genannt, dienten vor allem der Bewegung und der Abwechslung vom Auswendiglernen. Hier sollten die Schüler handwerkliche Fertigkeiten üben: Zeichnen, Papier färben, Drechseln, Glasschleifen oder sich naturkundliche Wissensbestände wie Kräuterkunde aneignen.

1.2 August Hermann Francke: Ordnung und Lehr-Art, wie selbige in dem Pädagogio zu Glaucha an Halle eingeführet ist […]. Halle: Waisenhaus, 1702.

Das Bild zeigt die Titelseite der Broschüre Ordnung- und Lehrart aus dem Jahr 1702

BFSt: 63 B 6 [48]

August Hermann Franckes Schrift Ordnung und Lehr-Art beschreibt einen Schulalltag, den man sich heute kaum noch vorstellen kann. Morgens stand man um fünf Uhr auf, danach wurde Hebräisch oder Latein gelernt, und zur Abwechslung drechselte man Holz, bevor man dann ein Bibelkapitel auswendig lernte; und das alles unter der ständigen Aufsicht von Lehrern. So sollte der Alltag für die Schüler im königlichen Pädagogium in Halle um 1700 aussehen. Dieses Buch beschreibt detailliert, wie August Herrmann Francke Bildung verstand. An der Schule gab es kleine Lerngruppen, mit festen Zeitplänen, gezielten Wiederholungen und regelmäßigen Prüfungen. Kontrolle war für Francke sehr wichtig. Jeder Tag wurde für die Schüler durchgeplant, auch die Freizeitgestaltung. Zudem hatten die Lehrer den Auftrag, den Charakter der Schüler zu beobachten und zu dokumentieren.

Franckes Schrift ist mehr als nur ein Regelwerk: Für Lehrer bot sie eine klare Orientierung, welche Methoden, Lehrmittel und Bücher sie im Unterricht verwenden sollen. Für die Eltern vermittelte sie Einblicke in den Schulalltag, die sie dazu bewegen sollte, ihre Kinder auf das Königlichen Pädagogium zu schicken und dieses finanziell zu unterstützen. Und schließlich war die Ordnung und Lehr-Art auch eine pädagogische Reformschrift, die sich an Schuldirektoren in aller Welt richtete.

1.3 Hausbuch des Königlichen Pädagogiums von 1753

Das Bild zeigt einen Auszug aus dem Hausbuch des Königlichen Pädagogiums von 1753

AFSt/S A I 204

In den Hausbüchern des Königlichen Pädagogiums wurde niedergeschrieben, was im Alltag der Schule passierte. Es ist anzunehmen, dass die Texte unmittelbar am selben Abend verfasst wurden, um als eine Art Tagebuch Rechenschaft vom Tag abzulegen. Die Hausbücher wurden dem Direktor in regelmäßigen Abständen vorgelegt, um ihn über die Geschehnisse auf dem Laufen zu halten. Der Inspector, ein Art Schuldirektor, legte die Einträge fest und wurde beim Schreiben vermutlich durch Studenten unterstützt. Die Einträge behandeln z.B. Schüler, die aufgrund von Geldproblemen die Schule verlassen mussten oder ruhige Weihnachtsfeste mit sättigendem Essen. In einem weiteren Eintrag wird darüber gerätselt, wer heimlich im Hof geraucht habe und wie dies in Zukunft zu verhindern sei. Am ehesten entsprechen die Hausbücher den heutigen Klassenbüchern. Im vorliegenden Ausschnitt des Hausbuches vom Mai 1753 wird die Ankunft eines neuen Schülers beschrieben. Sein Wissen wurde in einem Einstufungstest überprüft und als ungenügend für sein Alter eingestuft. Als Kind aus gutem Hause wird er wohl aus finanziellen Gründen trotzdem aufgenommen. Im Hausbuch wird dies vermerkt mit den hoffnungsfrohen Worten, dass er wohl "unter göttlicher Hilfe allen Fleiß anwenden [werde]".

Kapitelauswahl

Die Schule

Die Lehrer

Die Schüler

Der Unterricht